Ab 2021 werden in den oberfränkischen Städten Hof, Rehau und Kronach hochautomatisierte Kleinbusse im öffentlichen Straßenraum fahren. Insgesamt sechs dieser selbstfahrenden Shuttles des Herstellers Navya werden im Rahmen des Vorhabens eingesetzt. Sie können kostenlos genutzt werden. Das vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) geförderte Forschungsprojekt läuft bis Ende 2021. Bereits im Herbst 2020 finden erste Testfahrten noch ohne Fahrgäste statt.

Projektvorstellung in der Fachzeitschrift DER NAHVERKEHR: Shuttle-Modellregion Oberfranken - Forschung im Realbetrieb

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BESONDERHEITEN DES PROJEKTES

 
 

Die verschiedenen Anwendungsfälle touristischer Verkehr (Kronach), Anbindung Bahnhof-Innenstadt (Hof) – beide als Ergänzung zum örtlichen ÖPNV – sowie der Werksverkehr in Rehau helfen dabei, innovative Mobilität im Livebetrieb zu erproben und neue Marktmodelle zu entwickeln.

 
 

Neben dem eigentlichen Fahrbetrieb dient das Projekt verschiedenen Forschungszwecken. So ist geplant, für alle Shuttle-Fahrzeuge in der Modellregion eine zentrale Leitstelle in der Hofer Innenstadt einzurichten. Derzeit muss ein automatisiertes Shuttle aus gesetzlichen, aber auch aus technischen Gründen von einer Begleitperson, einem sogenannten Operator, im Fahrzeug überwacht werden. Mit der Leitstelle wird der nächste Schritt zum automatisierten Fahren ohne Operator im Fahrzeug untersucht.

 
 

Dabei gilt es, die Teleoperation, also die Fernsteuerung der Fahrzeuge im Bedarfsfall, weiterzuentwickeln und das Potenzial einer solchen zentralen Leitstelle zu erforschen. Außerdem werden die Algorithmen zur Umgebungserkennung durch automatisierte Fahrzeuge weiter verbessert. Hierzu werden die Shuttles mit zusätzlichen Sensoren ausgerüstet. Mittels der so gewonnenen Daten sollen ab 2021 sog. neuronale Netze trainiert werden. Im Speziellen sind dies DNNs (Deep Neural Networks) als Werkzeuge der künstlichen Intelligenz, mit deren Hilfe schließlich Fußgänger, Radfahrende und andere Verkehrsteilnehmende sicher erkannt werden können.

 
 

Darüber hinaus wird die sogenannte Mensch-Maschine-Interaktion intensiv erforscht und dazu ein Demonstrator aufgebaut. Die Fahrpläne der Shuttles im öffentlichen Nahverkehr sollen zudem mit einer weiterentwickelten App digital einsehbar und die Fahrten direkt buchbar werden. Nicht zuletzt ist die Bevölkerung nicht nur herzlich eingeladen, das neue Mobilitätsangebot zu testen, sondern sich im Rahmen der umfangreichen Akzeptanzforschung bei der Beurteilung und Weiterentwicklung der Innovationen selbst mit einzubringen.


Leitstellen für automatisierte Shuttles – was sollten sie können? Wie funktionieren sie?


Wenn es um automatisiertes Fahren geht, wird zumeist über Fahrzeuge, Technik und Sensorik berichtet. Wenn jedoch in nicht allzu ferner Zukunft keine Operatoren als Sicherheitsperson an Bord sein müssen, kommt der überwachenden Leitstelle oder „technischen Aufsicht“, wie sie das neue Gesetz zum autonomen Fahren nennt, eine enorm wichtige Bedeutung zu.

Aber was genau kann man sich darunter vorstellen und was soll dort passieren?

Vereinfacht gesagt, wird unter der Leitstelle eine Einrichtung verstanden, die räumlich von den selbstfahrenden Fahrzeugen getrennt agiert. Die Aufgaben, die bislang Sicherheitsfahrer*innen in jedem einzelnen Shuttle übernehmen, sollen in einer Leitstelle gebündelt werden. So kann eine ganze Flotte von Fahrzeugen – auch an mehreren Orten – überwacht und insgesamt kostengünstig eingesetzt werden, was neue Geschäftsmodelle ermöglicht und viele Punkte überhaupt erst für den öffentlichen Verkehr erschließbar macht. Selbstredend muss dabei die Sicherheit der Fahrgäste und des Straßenverkehrs jederzeit gewährleistet bleiben.

Die Leitstelle der Zukunft ist mit einer oder mehreren Personen besetzt und z.B. eingebunden in die Leitzentrale eines öffentlichen Verkehrsbetriebs. Im Detail erfüllt sie folgende grundsätzliche Aufgaben:
 
- Gleichzeitige Überwachung mehrerer automatisierter Shuttles
- Überwachung der Fahrzeugfunktionen und der technischen Werte
- Ständige Kamera- und Funkverbindung mit den Fahrzeugen
- Sofortige Kontaktaufnahme und Kommunikation mit den Fahrgästen im Notfall

In SMO werden vsl. ab Spätsommer 2021 die Grundfunktionen in einem Prototypen demonstriert werden können. Dabei wird die in Hof eingerichtete Leitstelle sogar noch mehr können: So lassen sich die Fahrzeuge „teleoperieren“, also fernsteuern. Diese Funktion wird jedoch im neuen Gesetz zum autonomen Fahren nicht berücksichtigt und ist daher vom Gesetzgeber derzeit für öffentliche Straßen nicht vorgesehen. Auf dem Gelände des Konsortialführers Valeo wird die Fernsteuerung dennoch mit einem Versuchsfahrzeug erprobt und demonstriert.


Spitzenforschung in Oberfranken


SMO ist nicht das einzige Projekt in Oberfranken, welches sich mit der Zukunft der Mobilität auseinandersetzt. In der Region wird führende Forschungsarbeit geleistet. Viele der Projektpartner aus SMO sind auch in anderen Projekten aktiv und bringen so die lokalen Kompetenzen zusammen. Weitere Projekte sind z.B.:
Mobilität Digital Hochfranken - MobiDig
- Hofer Landbus

Shuttle-Modellregion Oberfranken Autonom Elektrisch

HINTERGRUND

 
 

Der Mobilitätssektor in Deutschland steht aufgrund des Klimawandels und der Reaktion von Gesellschaft und Politik vor großen Herausforderungen. Die Kombination von digitalen Innovationen und lokal emissionsfreien Antrieben gewinnt zunehmend an Bedeutung und kommt in Metropolen in Rahmen von Pilotprojekten zum automatisierten Fahren vermehrt zum Einsatz. Die neuen Technologien haben das Potenzial, auch jenseits der großen Städte den ÖPNV zu stärken und ihn effizienter, flexibler sowie optimal angepasst an die Bedarfe der Nutzenden zu gestalten. Gerade in eher ländlich geprägten Regionen stellt das langfristige Sichern eines bedarfsgerechten, klimaschonenden und wirtschaftlichen Angebots im ÖPNV angesichts der demografischen Entwicklung eine besondere Herausforderung dar.